Papiergedanken

Dienstag, 11. Januar 2005

Zwodoppelnullfünf

So, Weihnachten ist vorbei, das neue Jahr hat begonnen, Höhen und Tiefen wurden und werden noch durchgemacht und der Frühling ersehnt. Das Alte soll ruhen und das Neue endlich kommen.

Zwodoppelnullfünf soll ein besseres Jahr werden und die Zeit ist knapp. Ich stehe am Anfang eines neuen Lebens und der Scheideweg sagt ganz klar: "aufwärts" oder "abwärts"! Kein "dazwischen" mehr! Kein "rumgurken"! "Entweder - Oder"; der Mittelweg ist nicht mehr möglich.

Es ist eine spannende, unruhige Zeit; was die Zukunft bringt weiss ich nicht (mehr) - die Vergangenheit hat lange genug an mir gezerrt und gezogen und wenn das Schicksal will, dass es nach unten geht, dann soll es eben so sein und ich werde mich damit arrangieren müssen.

Wie es mit dem bioblogg weitergeht, weiss ich jetzt noch nicht; den Druck, den es zeitweilig erzeugt hat, gibt es aber nun nicht mehr. Es kostet mehr Zeit und Kraft, ein öffentliches Leben zu führen, als einem anfangs bewusst ist. Auch, wenn ich im Vergleich mit anderen Bloggern noch nicht sehr lange blogge, so glaube ich, diesen Umstand richtig erkannt zu haben - zumindest richtig für mich.

Ich schreibe viel im Moment, aber ich schreibe nun viel mehr privat, auf ein Blatt Papier, mit Stift und Tinte. Das Schreiben draußen in der Welt, unterwegs und nicht alleine zu Hause vor dem Rechner sitzend. Und ich habe den Dialog wiederentdeckt, das Schreiben im direkten Austausch mit einem lieben Menschen.

Die letzten Wochen habe ich eigentlich nur deshalb emotional so gut überlebt, weil ich im direkten Kontakt mit lieben Menschen stand; mein Blogg hätte diese Funktion nicht erfüllen können... es wäre bloßes Ventil gewesen, aber es hätte mir nicht die Kraft geben können, die ich so dringend gebraucht habe.

Freitag, 24. Dezember 2004

Liebe Grüße

Ich wünsche allen ein frohes Fest, schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Leider konnte ich die letzen Wochen nicht viel schreiben und lesen, aber ich hoffe, im nächsten Jahr geht´s wieder regelmäßiger.

Ganz besonders liebe Grüße möchte ich an blanca, marie, desideria und den Käpt´n senden. Lasst es euch gut gehen. :-) Wir schreiben und lesen uns im neuen Jahr wieder.

Sonntag, 5. Dezember 2004

Damals, als wir alle noch ganz klein waren ...

... da haben wir unseren Eltern und Großeltern, Onkel und Tanten und überhaupt jedem, der uns geliebt hat, etwas selbst gebasteltes oder gemaltes geschenkt, und wir haben viel Zeit, Liebe und Zuneigung in diese Dinge hineingelegt.

Hier im virtuellen Leben geht das wieder - so wie damals eben. Denn alles, was ich meinen Stammlesern und bioblogg-Freunden schenken könnte, wäre etwas selbst gebasteltes oder gemaltes sozusagen.

Es hat keinerlei Geldwert und es kostet auch nichts - nur etwas von meiner Zeit. Ich dachte mir, es wäre jetzt eine gute Gelegenheit, um meine Zuneigung und Dankbarkeit meinen Lesern und Online-Freunden gegenüber kund zu tun - und zwar so wie damals als wir alle noch ganz klein waren.

Meine Leserschaft soll sich bei mir wohlfühlen und sich an einem kleinen Engel oder einer Schneeflocke erfreuen. Mal schauen, was mir bis Weihnachten noch so alles einfällt. :o)

Freitag, 3. Dezember 2004

Mid-Life walking

Ob ein Freund ein Freund für´s Leben ist, weiss man ganz sicher erst am Ende des Lebens; vorher hofft man nur oder wünscht es sich; manchmal sind die Anzeichen dafür groß, manchmal kleiner. Man schöpft aus seiner Erfahrung, aber man kann sich auch leicht täuschen. Ausserdem schreitet man ja auch selbst beständig voran im Leben - und alle um einen herum tun das ebenfalls.

Manchmal geht man längere Zeit dieselbe Strasse entlang, manchmal kommt man an eine Kreuzung und verabschiedet sich - und wenn man Glück hat, trifft man sich an einer anderen Kreuzung mal wieder und geht auch wieder ein Stück zusammen. Auch sind manche Strassen breiter, manche ganz schmal. Mal geht man hintereinander, mal nebeneinander. Oft ist es dieselbe Richtung, aber der eine läuft auf der linken und der andere auf der rechten Seite, weil jeder sich für andere Schaufenster interessiert. Es gibt auch welche, die mitten auf der Strasse laufen, weil "no risk - no fun". ;-) Es kommt auch vor, dass der eine plötzlich kehrt macht und man selbst kann nur traurig winken. Mal rennt der eine, mal schleicht der andere umher. Dass man Arm in Arm, Händchenhaltend, einfach miteinander scherzend und lachend oder ernste Gespräche führend eine Zeit lang zusammen den Weg des Lebens geht, kommt auch vor. Manche brauchen gar keinen Partner als Gefährten, andere fühlen sich in einer Gruppe sicherer. Auf den steilen Abschnitten des Weges tun sich die einen schwerer als andere. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt auf dem Weg des Lebens.

All das spielt aber eigentlich nicht so die große Rolle, denn das Wichtigste ist, dass man seinen eigenen, individuell stimmigen Weg zu gehen weiss und die Gefährten auf dem Weg des Lebens so nimmt, wie sie sind; denn eigentlich erwartet und wünscht man sich das ja von seinen Gefährten ebenfalls. Man sollte auch nicht ausser Acht lassen, dass ein synchrones Tempo bereits bei zwei Menschen nur ganz, ganz selten zu finden ist, und dass nicht jeder mal kurz auf einen warten wird oder sogar ein paar Schritte zurückzugehen bereit ist, um einem wieder auf die Beine zu helfen (z. B. wenn man gestolpert ist oder gar schlimmeres). Aber wenn man einen angenehmen Gefährten gefunden hat, dann ist es manchmal durchaus interessant, auch mal die eine oder andere Abzweigung ein Stück mitzugehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man einen neuen, interessanten Weg für sich entdeckt, ist ziemlich gross, wenn man mit jemandem geht, der ein passender Weggefährte zu sein scheint. Man kann nämlich nie wissen... ;-) Und zurückgehen oder die nächste Abzweigung zur Hauptstrasse nehmen kann man ja immer noch.

Perfekt ist niemand; Menschen schon gar nicht. Und Zeit spielt oftmals gar keine Rolle in Bezug auf Freundschaften. Man kann jemanden Jahre und Jahrzehnte kennen und doch nichts von ihm wissen (auch, wenn man es immer geglaubt hat) und manchmal trifft man jemanden, da hat man das Gefühl, dass man ihn schon Jahre kennt - und dabei hat man ihn erst vor 6 Wochen das erste Mal getroffen. Das Herz weiss meistens mehr als der Kopf.

Wichtig ist einzig und allein, dass man ist, wie man eben ist und die anderen sein lässt, wie sie sind; es spielt auch keine Rolle, was andere über einen denken oder was man für sie ist - das ist die Sache der anderen. Wer oder was man wirklich ist, entscheidet man ganz für sich alleine; damit haben die anderen überhaupt nichts zu tun (auch, wenn die das denken mögen und auch, wenn man das selbst oft denkt). Je mehr man die Ansichten der anderen Menschen auch bei den anderen belässt, desto weniger macht man sich auch davon abhängig und findet so viel schneller heraus, was man für sich selbst ist oder sein will.

Man wird auch über kurz oder lang genau das ausstrahlen, was aus einem selbst kommt und nicht das, was von aussen auf einen projiziert oder gespiegelt wird. Man wird dann ein leuchtender, funkelnder Stern am Himmel sein, wie die Sonne, die aus sich heraus von ganz alleine voller Glanz und golden erstrahlt und alles um einen herum erleuchtet - und man ist nicht mehr länger ein in Wahrheit kalter und dunkler Mond, der lediglich das Licht der umgebenden Sonnen zu reflektieren weiss, um dennoch bloss farblos, kalt und blass in Erscheinung zu treten.

Donnerstag, 2. Dezember 2004

Schmiedekunst

Das Finden einer individuellen Wahrheit ist wie das geduldige Schmieden eines Schwertes aus geschmolzenem Schmerz. Die Verletzungen, die man erlitten hat, sind Verhärtungen im Herzen und in der Seele. Je mehr sie sich ver--härten, desto größer ist die Gefahr, dass wir daran zer--brechen. Sie müssen geschmeidig werden, zu glühen beginnen und sich verflüssigen, denn erst dann kann man damit beginnen, etwas Neues, Gutes daraus zu formen.

Mit dem Hammer seiner eigenen inneren Verweigerung in der ge--rechten Hand und dem Amboss des bisherigen Erduldens und Ertragens, schmiedet man sich sodann eine neue Waffe für die zukünftigen Herausforderungen des Lebens. Gestärkt durch den Drang, sich zu ent--wickeln und immer wieder Schritt für Schritt weiterzugehen, veredelt mit Ein- und Klarsicht und geläutert durch wahrhaftige Aufrichtigkeit sich selbst gegenüber erhält man am Ende ein mächtiges, sehr starkes und dennoch geschmeidiges Schwert, mit dem man es selbst mit den dunkelsten Dämonen und feurigsten Drachen, die in einem selbst wohnen und die überall um uns herum lauern, jederzeit aufnehmen kann.

Und mit jedem weiteren Schwert, das man aus seinem Schmerz geschmiedet hat, wird man immer fähiger, ohne innere und äußere Verhärtungen mutig und offenen Herzens dem Leben ins Angesicht blicken zu können; erfüllt von Gleichmut und mit einem Verständnis für unsere Mitmenschen, das auf der Basis unserer eigenen Erfahrungen entstanden ist, wird man aus einer inneren Stärke heraus gütig, liebevoll und gelassen durch die Welt und das Leben wandern.

Wenn es keine Feinde mehr gibt, dann kann man auch nicht mehr verlieren.

Private party

Es gibt Zeiten und Ereignisse, wo die Dinge, die in einem gerade wirken und arbeiten, eher auf ein privates Stück Papier gehören, damit sie ihre Kraft für einen richtig ent--falten können; ent--falten wie ein Stück Papier eben. Denn die geschöpfte Kraft würde schlichtweg durch das mit--teilen an andere ge--teilt werden. Manchmal kann einem auch kein anderer Mensch helfen, die erforderliche Klarheit zu bekommen. Gedanken und Worte müssen erstmal nur für sich selbst gefunden werden und da bringt Öffentlichkeit mehr Ablenkung als Fokusierung.

Ich schreibe inzwischen sehr, sehr vieles zwar auf - aber nicht unbedingt in mein bioblogg. Daher heisst die persönlichste Rubrik in meinem Blogg auch Papiergedanken, weil nämlich vieles davon (wenn auch nicht alles) vorher mal sehr privat war, auf einem schlichten Papier stand und erst kurze oder lange Zeit später in mein Blogg gewandert ist. Und zwar erst, nachdem es mir geholfen hat, klarer zu sehen und nachdem es untrennbar mit mir verschmolzen ist - unangreifbare, individuelle Wahrheit für mich allein. Wenn ein Leser meines Bloggs dann später ebenfalls damit etwas anzufangen weiss, dann ist das um so besser; wenn nicht, dann ist auch das für mich absolut in Ordnung.

Montag, 29. November 2004

Macht nix

Eines der ganz großen Übel der Menschheit ist die Macht und die Gier danach. Macht kann nur entstehen, wenn man sie jemandem verleiht oder gleich ganz gibt; man verleiht sie, aber man bekommt sie sowieso nie zurück; wenn man sie gibt, hat sie der andere und man selbst hat in der Regel nix mehr.

Schon komisch: wenn ich jemandem was leihe und krieg´s nicht mehr zurück, dann verleih ich an diese Person nie wieder was. Bei der Macht ist das aber anders. Wir verleihen sie ständig - oft ohne es überhaupt zu wissen und bewusst wahrzunehmen - und verleihen oder geben anderen Macht über uns. Und die, die sie bekommen, geben sie nie zurück, missbrauchen sie eigentlich immer (meistens vor allem gegen uns) und wollen auch immer mehr davon. Macht akkumuliert sich auch ganz leicht und bekommt schnell willige Helfer, die noch mehr Macht für andere einsammeln.

Das Problem entsteht aber schon in dem Moment, wo ich jemandem überhaupt die Macht übergebe - über mich, über meine Umgebung. Dabei hat die bei dem anderen überhaupt nichts zu suchen und wenn es keine Menschen gäbe, die Macht abgeben oder verleihen würden, dann existierte das ganze Problem überhaupt nicht.

Die Menschen sind sooo dumm und sind auch die einzigen Wesen, die nie aus ihren Fehlern lernen - auch, wenn sie es ständig behaupten, unentwegt von sich selber denken und es den anderen Menschen weismachen wollen; es stimmt einfach nicht, dass wir lernfähig sind. Alle Tatsachen sprechen dagegen! - - - Und ich bin auch einer davon.

Freitag, 26. November 2004

Weisheit

Mit dem Computer geht alles schneller ...
... es dauert nur ein bischen länger!

Donnerstag, 25. November 2004

Dead Poets (2)

Es scheint, als würde damals begonnenes - aber (noch) nicht abgeschlossenes - hoch oben in den Lüften Warteschleifen fliegen. [Und das offensichtlich schon seit Jahren.] Meine alten Träume sind Flugkörpern gleich, sehnlichst darauf wartend, endlich vom Tower die Erlaubnis zur Landung zu erhalten. Jedoch, die Lotsen streiken.

Viele Träume fliegen dort oben nur noch mit heisser Luft; ihre Tanks sind schon lange (wie lange? - allzu lange!) leer; viele sind auch bereits verunglückt und liegen nun da - zerschellt ... an den scharfen Kanten indoktrinierter "Vernunft" und Konformität. Mahnende Wrackteile, die nunmehr nur noch Trauer in der Gegenwart über die vergebenen Chancen aus der Vergangenheit sind; für immer verloren in den Tiefen der Zeit und Opfer von allzu zögerlichen oder gar falschen Entscheidungen.

Aber ich möchte nicht undankbar sein. Viele Träume sind sicher gelandet und haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin und mir glückliche Zeiten geschenkt.

Noch gleiten viele Träume getragen von Hoffnung dort oben und wollen nach Hause geleitet und also erfüllt werden; für Trauer sollte ich daher nicht allzu viel Zeit verwenden. Denn Trauer ist wie der Hochnebel, der die Sicht auf die Sterne trübt. Wenn ich meine geduldig gleitenden und manchmal sich mühevoll am Schweben haltenden Träume erneut beleben will, muss ich sie hoch oben zwischen den trüblichen Wolken auftanken - dort, wo sie leben - und ihnen dadurch neue Kraft geben. Dann werden sicherlich wieder mehr Chancen die eine oder andere Landebahn erleuchten und das heile Ankommen begünstigen.

Eventuell werden noch einige Träume abstürzen, weil mir keine Lotsen zur Seite stehen oder ich sie einfach des Bodennebels der Verzweiflung wegen nicht richtig erkennen kann; aber vielleicht darf ich auch bald wieder den einen oder anderen Chancengeber - wild mit Wegweisern winkend - entdecken und so den einen oder anderen Traum verwirklichen. Es wäre so schön. Auch entpuppt sich manches Mal bei näherem Hinsehen ein vermeintlich abstürzender Traum dann doch als brennend-glühende Sternschnuppe, die die Chance auf einen neuen, veränderten Wunsch gebiert - der wiederum neue Träume hervorzubringen vermag. Denn nur solange ich träume, werde ich wahrhaftig wach und aktiv sein ... und lebendig.

Fest steht auch, dass jede noch so kleine wahrgenommene Chance den Nebel am Boden und in den Höhen lichten wird. Sie wird den Blick auf die vielen Befeuerungen der unzähligen Landebahnen freilegen, und der Hochnebel der Ungewissheit und Unsicherheit wird dem Funkeln eben jener Sterne - und manchmal auch Schnuppen - weichen, die ich meine Träume nenne.

Dead Poets (1)

Hab mir vor ein paar Tagen seit sehr langer Zeit wieder den Club der Toten Dichter angeschaut und bin wohl gerade dabei, mich sehr ausführlich zu erinnern; zu erinnern an lange Vergangenes, Zurückgestelltes und teilweise Vergessenes - sogar Verdrängtes.

Vieles scheint noch gar nicht abgeschlossen, was der Film damals in mir wachgerüttelt und darum begonnen hatte. Das Gedicht von Frost ... der anregende Dialog darüber mit Desi-"anstubs"-deria ;-) ... die seitenlange Stichpunktliste der spontan erwachten Erinnerungen, die ich sogleich anfertigte - all das hat einige angefangene, jedoch noch unvollendete, Werkstücke hervorgekramt.

Vom Staub der Zeit bedeckt und lieblos vergessen, lagen sie stumm und erflehten doch Gehör. Von meiner Erinnerung gerufen, erzählten sie mir Geschichten von (noch) nicht verwirklichten Träumen, die ich einst hatte und die einen nicht unwesentlichen Teil meiner (Lebens)Energie ausmachten. Mit meiner heutigen Situation im Gespräch, brachten diese alten Werkstücke gute Gedanken hervor, die viele lang gesuchte Erklärungen zu aktuell Unverstandenem beisteuerten.

Ich verstehe vieles nun besser.

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